Parkhaus-Porträts

Mein Freund Stefan Ditner brauchte ein paar Bilder von sich. Also haben wir uns zum Shooting im Ehrenfelder Parkhaus getroffen. Das war vor allem deshalb spannend, weil er selbst Fotograf und Kameramann ist und eine völlig andere Herangehensweise hat. “Ich würde hier erst einmal Licht aufbauen”, sagte er, als wir uns ein wenig umschauten. Ich hingegen bin ja eher der Available Light-Typ und wollte die vorhandene, düstere Stimmung und die charakterlose Architektur eines reinen Zweckbaus für uns nutzen. Gleichzeitig konnte ich mich mit dem Shooting auf einen ähnlichen Auftrag im Dezember vorbereiten.

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Paris Photo im Carrousel du Louvre

In der vergangenen Woche besuchte ich erstmals die Paris Photo, die gemeinhin als größte und wichtigste Messe für künstlerische Fotografie gilt. 89 Galerien und 13 Verlage nahmen daran teil und zeigten neben zeitgenössischen Positionen auch viele Klassiker der Fotografie – und manchmal leider auch unerträglichen Kitsch. Dennoch war es eine sehr gelungene Veranstaltung und ich fühlte mich ein wenig wie auf einem riesigen Abenteuerspielplatz, auf dem es ständig etwas zu entdecken gibt.

Die Ausstellungsbesprechung mit den Höhepunkten der Messe, erschienen heute in der taz, gibt es hier.

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photo.COLOGNE startet 2010

Die internationale Fotofestival-Szene wird um einen Begriff erweitert: Unter der neu gegründeten Dachmarke photo.COLOGNE – Internationale Wochen der Photographie wollen die Koelnmesse GmbH sowie der Verein „Internationale Photoszene Köln“ (IPK) ihre Aktivitäten bündeln und öffentlichkeitswirksamer auftreten. Zur photo.COLOGNE im September 2010 gehören neben dem bereits zum 20. Mal stattfindenden Festival „Internationale Photoszene Köln“ mit rund 100 Ausstellungen und 20.000 Besuchern im Jahr auch die von der Messe veranstaltete, hochkarätige „Visual Gallery“ sowie das erst 2008 ins Leben gerufene „köln fotografiert!“ mit einem Wettbewerb und zahlreichen Workshops für Hobby- und Amateurfotografen. Die IPK will durch die Zusammenarbeit Besucher aus ganz Europa anlocken und das Festival gleichzeitig straffer und professioneller aufziehen. Dazu gehört, dass der begleitende Katalog deutlich früher als bislang erscheint und die darin aufgeführten Ausstellungen qualitativ klarer voneinander getrennt werden, um den Besuchern die Orientierung zu erleichtert, so Organisator Manfred Linke. Auch die Bewerbungsphase für teilnehmende Künstler, Galerien und Institutionen wurde deutlich vorgezogen. Sie läuft vom 18. Februar bis zum 31. März 2010.

Weitere Infos findet ihr direkt bei photo.COLOGNE.

photo.COLOGNE

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“Nollywood” von Pieter Hugo

Ein Buch wie “Nollywood” gibt es nicht alle Tage – allein das schwarze Leder-Cover fühlt sich so gut und hochwertig an, dass man nicht weiß, ob man es nur mit Baumwollhandschuhen anfassen oder am besten gar nicht mehr aus der Hand legen soll. Offensichtlich hat sich der Prestel-Verlag für die neue Monographie des südafrikanischen Fotografen Pieter Hugo ordentlich ins Zeug gelegt – kein Wunder, hat er mit der Veröffentlichung des Vorgängers, dem absolut fantastischemThe Hyena & Other Men” aus dem Jahr 2007, die Messlatte doch sehr hoch gelegt.

Aber Pieter Hugos viertes Buch “Nollywood” braucht den Vergleich nicht zu scheuen – auch, wenn der sich sofort aufdrängt. Wieder geht es um eine ganz spezielle Absurdidät im ganz normalen afrikanischen Alltag, und auch die Art der Inszenierung seiner Protagonisten sowie der Bildaufbau sind nahezu identisch. Dennoch – das Buch ist kein Abklatsch, sondern eher eine Fortsetzung im besten Sinne.

Doch, worum geht es eigentlich? Die Filmindustrie Nigerias ist die drittgrößte der Welt – nach denen der USA und Indien. Bis zu 1000 Filme im Jahr werden in und um Lagos gedreht – meist billige B-Movies. Die Hauptthemen: Gewalt, Horror, Okkultismus, Sex und auch ein bisschen Romantik. Hugo hat rund 50 Schauspieler Filmszenen nachstellen lassen – im kompletten Kostüm und in voller Maske. In seinen Bildern warten Zombies, Vampire und Wolfsmenschen, grausam entstellte Leichen mit Maschinengewehren und eine verkohlte, dreiköpfige Familie auf den Betrachter. Die meisten stellen sich dem Fotografen wie fürs Fotoalbum zur Schau – und steigern damit noch die Absurdidät der Situation.

Dabei wird es dem Betrachter schwer gemacht, sich auf die Bilder einzustellen – muss man beim splitternackten Muskelmann mit dem Darth Vader-Helm lachen, läuft es einem beim Anblick des blutüberströmten Jungen am rostigen Maschendrahtzaun und bei den zahlreichen “Leichen” eher kalt den Rücken herunter. Die Diskrepanz zwischen Bildaufbau und -inhalt wächst, weil Hugo Mord, Verbrechen und Schrecken im nüchternen Porträt-Stil zeigt. Der Betrachter weiß, dass alles inszeniert ist, aber die Bilder erschrecken und verstören dennoch. Und während sich die Welt längst an die Bilder aus den Kriegs- und Krisenregionen gewöhnt hat, werden sie nun inszeniert und persifliert. Nicht Afrika wird auf den Arm genommen, sondern der westlich-mediale Blick auf den Kontinent.

Fast ganz am Ende, direkt nach der Reihe der Verbrannten, kommt der Betrachter dann noch ein weiteres Mal ins Stolpern, weil plötzlich ein weißhäutiger  Darsteller mit Sturmmaske, Unterhose und Machete auf dem Bild auftaucht. Wer auf dem nachfolgenden Index nachschaut, wird entdecken, dass das Pieter Hugo selbst ist – diesen “Spaß” hat er sich offensichtlich nicht nehmen lassen.

Hier gelangt ihr auf die Website von Pieter Hugo.

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Arno Fischer-Retrospektive in Bonn

Gestern war ich bei der Pressekonferenz zur großen Arno Fischer-Retrospektive in Bonn. Der gilt ja gemeinhin als wichtigster Fotograf der DDR und Klaus Honnef hat ihn sogar mal als einen der wichtigsten Fotografen Deutschlands überhaupt bezeichnet. Behauptet zumindest der Kurator der Ausstellung, Matthias Flügge. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, finde ich sein Werk insgesamt doch eher mittelprächtig. Viele Aufnahmen wirken unentschlossen, außerdem sind sie verwackelt, ohne dass ich dafür einen inhaltlichen Grund erkennen könnte. Viele sind auch einfach schlecht gestaltet und komponiert. Seine stärksten Aufnahmen sind die, in denen er unbeobachtet und in Ruhe Menschen fotografieren konnte – von hinten oder wenn sie gerade in einer Tätigkeit vertieft waren. Leider hat er es nicht dabei belassen.

Da ich mich aber gerne eines Besseren belehren lasse, hörte ich aufmerksam zu. Arno Fischer stand dann auch selbst für Fragen zur Verfügung, allerdings bestätigten seine Antworten, Erinnerungen, Schilderungen und Selbsteinschätzungen nur mein Bild anstatt es zu widerlegen. So sagt Fischer selbst, er habe  “Hemmungen, die Menschen direkt zu fotografieren“. Also nahm er seine 35mm-Brennweite, einen hochempfindlichen Film, machte die Blende zu und stellte den Fokus auf 1,5 Meter bis unendlich und schoss „wie ein Cowboy aus der Hüfte“. So präpariert hätte er ja nun gut auf die “Jagd” gehen und ungemein progressiv fotografieren können, aber auch die so entstandenen Aufnahmen bleiben belanglos.

Sehr irritierend finde ich auch seine Einstellung zu Henri Cartier-Bressons “entscheidenden Augenblick”, der ihn offensichtlich gar nicht interessiert. Ihm gehe es vielmehr um den Moment davor und danach. Leider fotografieren 99 Prozent aller Menschen so – was soll jetzt also das Besondere daran sein? Und dass Arno Fischer das “Rennpferd der Modefotografie in der Deutschen Demokratischen“ gewesen sein soll, wie er sagt, ist mir ebenfalls ein Rätsel. Schließlich gibt er zu, dass er nur „wenige technische Kenntnisse“ gehabt habe und er erst im Laufe der Zeit “ein Gespür dafür entwickelt habe, was Mode sein könne.”  Für mich klingt das nach einem Schlag ins Gesicht seiner Frau Sibylle Bergemann, die in meinen Augen die weitaus größere Mode-Fotografin war. Warum bekommt sie eigentlich keine Retrospektive?

Ironischerweise kleben an einer Ausstellungswand auch noch Arno Fischer-Zitate, bei denen ich mich wirklich fragen muss, ob sich die Organisatoren überhaupt einmal die dazugehörigen Bilder angeschaut haben. Da steht tatsächlich: „Man muss nicht komponieren, die Welt ist Komposition“ und „Wenn ich an einer Bushaltestelle einen Mann fotografiere, der auf den Bus wartet, muss auf dem Foto mehr zu sehen sein als ein Mann, der auf einen Bus wartet.“  Für mich ist Arno Fischer das Gegenteil von Henri Cartier-Bresson. Den halte ich auch nicht für so genial wie die Allgemeinheit immer schwärmt, aber im Vergleich zu Fischer ist er tatsächlich ein Gott. Ihm hätte ich diese beiden Sätze kommentarlos abgenommen – Arno Fischer hingegen nicht.

Toll finde ich allerdings seine Polaroids aus dem Garten. Die sind frisch, lebendig und gleichzeitig meditativ. Da muss er aber auch niemandem die Kamera ins Gesicht halten.

Wer mag, kann sich ja ein eigenes Bild von Arno Fischers Werk machen. Gelegenheit dazu gibt es bis zum 3. Januar 2010 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn.

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Vier neue Fotobücher im Ksta

Fotobuch-Freunde aufgepasst – hier gibt es wieder vier interessante Neuerscheinungen. Dieses Mal dabei:  Andreas Gefeller mit “Photographs”, Anders Petersen und JH Engström mit “From Back Home”, das von Regina Maria Anzenberger herausgebrachte “West”  sowie “Tout va disparaitre” von Hellen van Meene.

Die Rezensionen, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger, findet ihr hier als PDF.

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