Trouvés – die Schätzchen des Kehrer-Verlages

Als Trouvés bezeichnet der Heidelberger Kehrer-Verlag seit einiger Zeit seine „gefundenen“ kleinen Kostbarkeiten. Dabei handelt es sich um Buch-Objekte, die mal im Schuber oder in einer Holzbox, mal in Seide oder in Leder gekleidet, vor allem aber immer handgefertigt und streng limitiert sind. Der Fotograf gestaltet also sein Buch, ohne Rücksicht auf die Interessen eines Verlages oder Buchhändlers nehmen zu müssen. Dabei entsteht eine sehr intensive Form der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk – das fertige Objekt ist mal verspielt und mal ernst, mal sehr aufwendig und mal bewusst schlicht gehalten. Aber immer etwas Besonderes – denn eine ISBN haben die Bücher natürlich nicht.

Die Idee zu den Trouvés kam übrigens Alexa Becker, ihres Zeichens Acquisitions Editor im Kehrer-Verlag, als sie die Fotografin Tamany Baker kennenlernte und eines ihrer selbstgemachten Bücher sah. “Wo kann man das kaufen?” fragte sie. “Nirgendwo”, war die Antwort – denn für Galerien seien diese Bücher zu preiswert und für den Buchhandel zu kostbar.

Also haben diese “gefundenen” Schätzchen nun im Kehrer-Verlag ein Zuhause gefunden – zumindest ein vorläufiges, denn mit Auflagen von 20 bis 50 Stück dürften die Trouvés entspechend schnell ausverkauft sein. Naja, zumindest die günstigeren, denn die Preisspanne reicht derzeit von 47 Euro für “Grassland” von Phil Underdown bis zu 980 Euro für die extravagante Bildrolle “Presence In Between” von Celine Wu. Sechs Trouvés hat der Verlag bislang im Programm, aber das soll noch weiter ausgebaut werden. In Frage kommen grundsätzlich alle Bücher, die auch sonst zum Verlagsprogramm passen würden, erklärt Alexa Becker. Den Erlös teilen sich Fotograf und Verlag.

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Hijacked – Volume 2 Australia/Germany

Bereits “Hijacked – Volume One”, erschienen 2008 bei Big City Press, war ein wunderbares Buch. Damals stellte der Initiator und Herausgeber Mark McPherson zusammen mit Max Pam australische und us-amerikanische Fotografen in einem gemeinsamen Band vor – darunter gute bis fantastische Positionen von Robin Schwartz, Brian Cross, Amy Stein, Greta Anderson, Sarah Small und Juha Tolonen.

Nun hat Big City Press gemeinsam mit dem Heidelberger Kehrer-Verlag die Fortsetzung “Hijacked – Volume 2″ in die Läden gebracht – dieses Mal mit australischen und deutschen Fotografen und mitherausgegeben von Ute Noll und Markus Schaden. Das schicke Lesebändchen vom ersten Teil gibt es nicht mehr, dafür bekommt man aber noch mehr Seiten, die auch noch richtig gut gefüllt wurden mit junger, aufrüttelnder, poetischer, verstörender, verträumter Fotografie.

Das fängt schon beim Cover an, das das Bild “Reita” von Oliver Sieber ziert und das zurzeit auch noch in der Ausstellung Imaginary Club in der Kölner Galerie Priska Pasquer zu sehen ist: Warum zum Teufel hat diese Frau eigentlich eine weißes Stirnband quer über das Gesicht laufen, das nur ihre Nase verdeckt? Es geht weiter mit Arbeiten von Josef Schulz, Jan von Holleben, Johanna Ahlert, Olaf Unverzart, Jens Liebchen, Myriam Lutz, Julian Röder, Ivonne Thein, Albrecht Fuchs, Nathalie Bothur, Jörg Brüggemann, Anne Lass, Karsten Kronas, Sascha Weidner und Thekla Ehling – kurzum: fast ausnahmslos sehr gute und eigenständige Positionen, die einen guten Überblick über die junge, zeitgenössische Fotografie bietet – mit einer nicht ganz unwichtigen Ausnahme: Fast keiner der deutschen Fotografen fotografiert deutsch, also im Sinne der Neuen Sachlichkeit und der Becher-Klasse. Offensichtlich wurde viel Wert darauf gelegt zu zeigen, dass man hierzulande auch anders fotografieren kann, was ich persönlich für sehr gut und wichtig halte.

Im Mittelteil gibt es mehrere Texte, dann begegnet dem Betrachter in der australischen Hälfte erst einmal einem jungen, nacktem Paar, das im offenen Kofferraum ihres Kombis sitzt: Bronek Kózka hat im Gregory-Crewdson-Jeff-Wall-Stil inszeniert – allerdings nicht ganz so gut, weil nicht so geheimnisvoll. Andere Arbeiten haben mir da deutlich besser gefallen – zum Beispiel die von Ingvar Kenne, Conor O’Brien, Polixeni Papapetrou, Derek Henderson und auch Louis Porter, Andrew Cowen und Michael Corridore. Sehr amüsiert habe ich mich übrigens auch bei Jackson Eaton und seinem Bild “Hasisi holding my foreskin in her teeth”. Ich denke, ich brauche nicht näher zu beschreiben, was darauf zu sehen ist.

Wenn mir auch persönlich nicht alle Fotografen so ganz zusagen, bleibt mir doch nichts anderes übrig, als für “Hijacked 2″ eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen: Das Buch ist eine sehr gelungene Zusammenstellung junger, zeitgenössischer Fotografie jenseits des Mainstreams und dürfte auch in Zukunft immer wieder zum Schmökern und Nachschlagen einladen.

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Fotobuchrezensionen V

Das Magazin des Kölner Stadt-Anzeiger hat heute vier neue Fotobuchrezensionen von mir veröffentlicht.  Mit “Black Passport” von Stanley Greene und “Rituale” von Giorgia Fiorio (deren Ausstellung in der C/O Berlin ich bereits im April auf meinem Blog besprochen habe), sind dieses mal nur zwei Monographien dabei. Die beiden anderen Bücher, “Magnum am Set” und “Starburst”, behandeln hingegen die Arbeiten von Magnum-Fotografen während legendärer Filmarbeiten sowie die Wurzeln der “New Color Photography” in den 1970er Jahren.

Den Artikel könnt ihr euch hier als PDF herunterladen.

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“Fast Daheim” von Daniel Giesen

Der Kölner Daniel Giesen hat gerade sein Buch “Fast Daheim” in der Buchhandlung Schaden vorgestellt. Es ist eine Art düster-melancholischer Spaziergang durch die Domstadt und andere (urbane) Landschaften. Sein fotografischer Stil ist dabei insofern sehr interessant, weil Giesen häufig zwischen streng-subjektiven und verwackelten Hipshots mit teilweise verschiedenen Bildebenen auf der einen Seite und sehr klaren, “gestalteten” Fotografien auf der anderen Seite hin und her wechselt. Das stört jedoch nicht, sondern ist im Gegenteil sogar eine Bereicherung für das Buch, das komplett in Schwarzweiß gehalten ist.

Denn insgesamt sind seine Bilder geprägt von einem ständigen Nicht-weiter-kommen, von sich überlappenden Ebenen, Mauern, Zäunen und Fenstern. Und manchmal auch von allem zusammen, wie beim Foto vom Maschendrahtzaun, hinter dem zusätzlich ein Sichtschutz aus Schilfrohr steht. Die einzige Lücke darin wird wiederum von einem Baum gefüllt, so dass es für den Betrachter definitiv kein Durchkommen geben kann. Zur trostlosen “Garnierung” wächst am Boden noch ordentlich Unkraut.

Aber selbst, wenn Giesen einmal zu einer Art “Überblick” ansetzt, verschwindet die Aufnahme im Nebel wie beim Blick vom Drachenfels hinunter auf den Rhein (bei dem ich übrigens einige Sekunden gebraucht habe, um den Ort wiederzuerkennen, obwohl ich erst zwei Wochen vorher noch selbst dort oben stand!). Oder Giesen fotografiert die Weite eines Nordseestrandes – und zwar so, dass die Spaziergänger im Hintergrund genauso groß (oder klein!) wirken die die Muscheln im Vordergrund. Hoffnung sieht irgendwie anders aus, Poesielosigkeit kann man Giesen allerdings nicht vorwerfen.

Gleichzeitig ist der Einfluss von Daido Moriyama auf seine Arbeiten nicht zu übersehen – und in einem Bild “zitiert” Giesen den Japaner auch direkt, indem er das Ausstellungsplakat zur Moriyama-Retrospektive in der SK Stiftung Kultur zeigt. Wieder woanders taucht eine Szene von der “Schaden.com 10+“-Party vor zwei Jahren auf, in der leicht verschwommen der Kölner Fotograf, Galerist und Dozent Wolfgang Zurborn zu erkennen ist, der sicherlich ebenfalls eine fotografische Referenz für Giesen sein dürfte. Über ihm läuft zudem die Diashow von Ken Schles.

Das Buch “Fast Daheim” hat Daniel Giesen im Eigenverlag und mit Unterstützung von Schaden.com herausgebracht, es hat eine Auflage von 300 Stück, kostet 68 Euro und kann sich etwas genauer hier angeschaut werden.

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WM-Rezension: African Arenas

Heute startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika und neben allen möglichen Merchandising-Schnickschnack gibt es sogar ein Fotobuch, das sich mit dem Phänomen Fußball auf dem Schwarzen Kontinent beschäftigt: “African Arenas” von Thomas Hoeffgen.

Das Buch zeigt in seiner sehr eigenen, farbreduzierten Optik Orte, an denen in Afrika Fußball gespielt und zelebriert wird. Das sind entweder improvisierte Sandbolzplätze mit Holzpflöcken als Tor irgendwo im Nirgendwo, oder aber moderne Betonarenen in den Städten – mit Flutlichtern, Tribünen, Sicherheitspersonal und Stacheldraht drumherum. Das funktioniert anfangs noch recht gut, und Hoeffgen kann mit einigen überraschenden Perspektiven und Perspektivwechseln punkten. Die sind jedoch schnell verspielt, und von da an kratzt der Mode- und Werbefotograf überwiegend an der Oberfläche: Zwar zeigt er “schöne” und gut gestaltete Bilder, die jedoch nur die gängigen Klischees in der entsprechenden Werbeästhetik liefern. Durch das Vermeiden eines kritischen oder ironischen Blickes hat Hoeffgen jedenfalls die Chance verpasst, aus dem bloßen Fußball-Thema ein epochales Foto-Essay zu machen, wie es etwa Pieter Hugo mit den Hyänen-Männern und später mit den B-Movie-Darstellern in Lagos gelungen ist.

Hinzu kommt, dass das ganze Buch den Eindruck erweckt, als wäre es lediglich für die Fußball-Weltmeisterschaft angefertigt und veröffentlicht worden. Oder anders herum: Fände die WM in diesem Jahr nicht zufällig in Südafrika statt, hätte Hoeffgen wahrscheinlich auch keinen Verleger für sein Buch gefunden – oder die Bilder wohlmöglich erst gar nicht fotografiert.

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“7 km” von Kirill Golovchenko

Das Buch “7 km – Field of Wonders” von Kirill Golovchenko macht es mir nicht gerade leicht. Zwar gefällt mir das Thema vom größten Marktplatz Europas, sieben Kilometer südwestlich vor den Toren Odessas, auf dem 16.000 Schiffscontainer stehen, 60.000 Menschen Arbeit finden und auf dem täglich 20 Millionen Dollar umgesetzt werden.

Das Problem ist nur: Golovchenko fehlt es an einem Konzept oder am Willen, eine Geschichte erzählen zu wollen. Stattdessen verliert er sich im wahrsten Sinne des Wortes auf diesem Marktplatz und zeigt uns lediglich einige bunte Details und manchmal ein paar Übersichten in alter Wimmelbild-Manier, bringt sie aber selten zu einem großen Ganzen zusammen. Sein Buch ist weder eine nüchterne Dokumentation und schon gar keine Reportage, sondern wirkt eher wie eine Ansammlung touristischer Hingucker – die bunte Kette vor dem Gesicht eines Fotomodels, die Aufkleberrollen mit den gefakten Modelabeln und die 100-Dollar-Gürtelschnalle sind nur einige Beispiele. Das ist sehr schade, denn der Ort scheint wirklich irre zu sein.

Das Buch ist es leider nicht.

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Fotobook Festival Kassel

In Kassel hat von Donnerstag bis Sonntag das 3. Internationale Fotobook Festival stattgefunden. Ich habe mir gleich alle vier Tage gegeben und bin auch sehr froh darüber, denn abgesehen von der etwas unvorbereitet wirkenden Organisation war die Veranstaltung ein Treffpunkt des “Who’s who” der internationalen Fotobuchszene: Martin Parr, Gerry Badger, Rinko Kawauchi, Alec Soth und Paul Graham gehören sicherlich zu den bekanntesten Vertretern (wobei mich der eitle Vortrag Grahams eher aggressiv gemacht hat). Sehr gut gefallen hat mir hingegen der informative und kurzweilige Beitrag des Kunsthistorikers und Experten für japanische Fotografie, Ferdinand Brüggemann, über “Japanische Fotografinnen der Gegenwart” und Rob Hornstra, der nicht nur tolle Bilder und Bücher macht, sondern der auch ein eigensinniges, aber ausgetüfteltes Marketing- und Finanzierungssystem dafür entwickelt hat.

Sehr gefreut hat mich ebenfalls, dass neben Nollywood von Pieter Hugo auch Beyond Borders von Frederic Lezmi unter den 24 Büchern des Photobook Awards waren, unter denen ansonsten vor allem “Black Passport” des Kriegsfotografen Stanley Greene hervorstach – ein verstörendes Buch in einer sehr eigenen, direkten Gestaltung.

Viel Zeit habe ich auch bei den Büchern des Dummy-Preises verbracht, wobei die drei Preisträger Werner Amann mit American. (hier als kleiner Auszug), Chad States mit “Cruisin’” und Axel Beyer mit  Bebra Curiosa nicht unbedingt meine Favoriten waren. Ziemlich gut fand ich Richard Kurc Konzeptporträts mit Kinder, Eltern, Autos – Familienportraits in mobilen Rahmen und Alexander Labrentz mit seiner Dokumentation Arbeit und Leben über Massentierhaltung. Über die Fotos aus dem Buch Wunschkinder von Ursula Becker habe ich gelacht wie selten bei einem Fotobuch, allerdings fand ich das Buch selbst ziemlich schwach gestaltet. Ähnlich erging es mir bei Arnd Weider und seinem theater – starke Fotos und ein angemessenes Layout, aber eine furchtbare Typo. Etwas zu lang, aber insgesamt dennoch ganz gut fand ich Florian Generotzky mit Risse im Beton (vor allem das Bild auf Seite 26 hat es mir angetan). Sehr schön fand ich auch Rented Rooms von Torben Höke über die Billigunterkünfte der Individualreisenden in Indien – ein schlichtes, aber liebevoll gestaltetes Buch mit ruhigen, guten Einzelbildern. Insgesamt am auffälligsten war zudem sicherlich das Projekt “Erholungszone Deutschland” des Duos Valeska Achenbach/Isabela Pacini, das aus insgesamt fünf Einzelbüchern besteht und mit deutschen Klischees spielt.

Wer mehr über das Festival erfahren möchte, kann sich auch meinen Artikel aus der taz durchlesen.

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Fotobuchrezensionen IV

Im Magazin vom Kölner Stadt-Anzeiger ist wieder ein sehr schön gestalteter Artikel mit vier Fotobuchempfehlungen von mir erschienen: Andrew Zuckerman zeigt seine “Wild Birds” während Riitta Päiväläinen und Jorma Puranen für “Imaginary Meetings” und “Icy Prospects” hinaus in die Natur ihrer Heimat Finnland gegangen sind. Ebenfalls unter war das Fotografenduo Taiyo Onorato und Nico Krebs: Für “The Great Unreal” reisten sie mehrere Monate durch die USA und setzten sich mit Realität und der Erfindung von Realität auseinander.

Die ausführlichen Rezensionen gibt es hier – viel Spaß beim Lesen.

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“Die Düsseldorfer Photoschule” von S. Gronert

Es ist eigentlich erstaunlich, dass es bislang keine ausführliche Publikation zur “Düsseldorfer Photoschule” gegeben hat, hat dieses “Phänomen” doch Kunstmarkt und Kunstgeschichte der letzten Jahrzehnte entschieden beeinflusst. Lothar Schirmer spricht gar davon, dass “wahrscheinlich seit dem Bauhaus keine Kunstrichtung aus Deutschland eine solche weltweite Ausstrahlung entfaltet und Anerkennung erfahren” habe.

Diese Lücke wird nun mit dem Buch Die Düsseldorfer Photoschule gefüllt: In einem ausführlichen Essay verdeutlicht der Autor Stefan Gronert die Bedeutung und vor allem den Hintergrund der Becher-Schule – ein Begriff, der übrigens von der Kritikerin Isabell Graw anlässlich einer Ausstellung 1988 in der Kölner Galerie Johnen & Schöttle erstmals benutzt wurde. Da es DIE Becher-Klasse aber gar nicht gibt, widmet sich Gronert nur den seiner Meinung nach zehn wichtigsten Absolventen Thomas Struth, Thomas Ruff und Andreas Gursky (die in einem Atemzug auch gerne als Struffsky bezeichnet werden, obwohl sie nicht viel gemeinsam haben), Candida HöferPetra Wunderlich, Axel Hütte, Jörg Sasse, Elger Esser, Laurenz Berges, Petra Wunderlich und Simone Nieweg. Aber auch die in Vergessenheit geratenen Tata Ronkholz und Volker Döhne werden zumindest angesprochen.

Ein Extrakapitel bekommt zudem die monumentale Größe der Bilder, für die viele der Fotografen bekannt sind, auch wenn die Bechers selbst immer nur mit kleinen Abzügen von 40 x 30 Zentimeter gearbeitet haben. Aber – wie hat Andreas Gursky auf meine Frage diesbezüglich während seiner Ausstellung Andreas Gursky – Werke 80-08 in Krefeld so schön ehrlich geantwortet: “Kleines Format, kleines Geld.” Neben den insgesamt sehr guten Texten beinhaltet das Buch zudem Portfolios jedes Künstlers, die einen guten Überblick liefern und dem Buch somit vollends das Prädikat “Pflichtlektüre” verleihen.

Das Buch “Die Düsseldorfer Photoschule” ist im Verlag Schirmer/Mosel erschienen, hat 320 Seiten und kostet 68 Euro.

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“Beyond Borders” von Frederic Lezmi

Als mir Frederic Lezmi sein neues Buch “Beyond Borders – From Vienna to Beirut” auf der Paris Photo in die Hand drückte, dachte ich zuerst “Ach, schon wieder ein Leporello” – diese extravagante und irgendwie auch altmodische Buchbindung wird mir in letzter Zeit doch ein wenig zu inflationär eingesetzt. Beim schnellen Durchblättern wurde mir aber sofort klar, dass es eigentlich die einzig denkbare Form ist, um diese Fotostrecke zu präsentieren, geht es doch um eine Reise quer durch Europa bis in den Nahen Osten, auf der die Grenzen zu verschwimmen scheinen. So hat der Betrachter die Möglichkeit, sich die gesamte Reise als elf Meter langen Streifen anzuschauen oder sich in den Details des Faltbuches zu verlieren – und davon gibt es in den insgesamt 32 Arbeiten viele zu entdecken.

Ein ganz Offensichtliches ist – vor allem zu Beginn des Buches – die Nähe zu Wolfgang Zurborn. Kein Wunder – schließlich hat Lezmi dem Kölner Fotografen und Galeristen ein Jahr lang assistiert, bevor er an der Folkwang Hochschule in Essen studierte. Oft fällt es in seinen Bildern schwer, die Orientierung zu bewahren. Geschickt spielt der 1978 geborene Lezmi mit den sich ständig überlagernden und wieder öffnenden Ebenen, Durchbrüchen, Spiegelungen und Gegensätzen. Was ist real, was eine Spiegelung und was bloß eine Fassade? Wie in einem Kaleidoskop überlagern sich die (Re-)Konstruktionen vielfarbiger fragmentarischer Eindrücke, Architekturen und sozialen Lebens – auf der einen Seite kann man sich nicht auf das Gesehene verlassen, auf der anderen Seite sind die Bilder nur selten geografisch zu verorten.

Zwischenzeitlich ändert Lezmi zwar die Bildsprache, quasi als Hinweis für einen Grenzwechsel. Der wird jedoch nur scheinbar vollzogen, denn gleich danach haut er dem Betrachter Absurditäten und neue Überlagerungen “um die Augen”: Kitschige Elefanten und Palmen aus Autoreifen vor dem Parlament in Bukarest wechseln sich mit einer rostenden Miniaturrakete am Straßenrand in der Türkei ab, die ironischerweise genauso aussieht wie das im Hintergrund emporragende Minarett.

Am kommenden Donnerstag, 10. Dezember 2009, 19 Uhr, präsentiert Frederic Lezmi sein Buch, das auf 150 handgefertigte Exemplare limitiert ist und 88 Euro kostet, in der Galerie Lichtblick, Steinberger Straße 21, in Köln-Nippes. Auf die Homepage von Frederic Lezmi kommt ihr hier.

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