Interview mit Böhm/Kobayashi

Katja Stuke: “Bilder im öffentlichen Raum waren damals einfach schon richtig geil. Und ich bin heute jedes Mal enttäuscht, wenn wieder mal irgend so ein Mist plakatiert wird, weil sich niemand mehr wirklich für dieses Medium interessiert.”

Oliver Sieber: “Larry Sultan und Mike Mandel haben ja auch diese Billboard-Aktionen in den 70er Jahren gemacht und beziehen sich quasi auf Marshall McLuhan, den Medientheoretiker. Also dem Nutzen von Plakatwänden und was die für eine Wirkung auf die Gesellschaft haben. Deswegen kriege ich vielleicht so einen schmelzigen Ton, wenn ich an die Motive von damals denke und wie sich das Stadtbild anders dargestellt hat.”

In der Ausgabe 97 von European Photography ist mein Interview mit Katja Stuke und Oliver Sieber alias Böhm/Kobayashi erschienen. Darin spricht das Künstlerduo über Selfpublishing, die Anfänge ihrer Böhm-Hefte, den Reiz von Werbeplakaten, ihr Antifoto-Manifest und was passiert, wenn das eigene Buch plötzlich zum “Photobook of the Year“ gewählt wird.

Das gesamte Interview gibt es hier als PDF.

Link: Böhm/Kobayashi, European Photography

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L. Fritz – das Magazin der Photoszene

Darf ich vorstellen: L. Fritz – das Magazin der Photoszene ist erschienen. Benannt nach L. Fritz Gruber wollen wir mit diesem Magazin Kuratoren, Galeristen und Verleger, Studenten und Sammler, Fotografen und Designer, Profis und Amateure gleichermaßen ansprechen. Deshalb ist L. Fritz auch mehr als nur ein Medium – er ist ein lebendiger Bestandteil der Fotografieszene, er ist ein Freund und Experte, dem man vertraut, den man um Rat fragen kann und den man gerne an seiner Seite hat. Vor allem aber liegt L. Fritz kostenlos aus – in Köln sowieso, aber auch an wichtigen Fotografie-Einrichtungen in Deutschland und ganz Europa. Eine genaue Auflistung wird auf der Photoszene-Website folgen. Außerdem könnt ihr euch L. Fritz auch schon auf Issuu ansehen – dort findet ihr übrigens auch den Photoszene-Festivalguide.

Die erste Ausgabe beschäftigt sich vor allem mit dem bevorstehenden Photoszene-Festival und stellt einige Ausstellungen vor. Unter anderem gibt es einen achtseitigen Teil über das PhotoBookMuseum von Markus Schaden, ein Interview mit Bettina Flitner, die Fotostrecke “Wolfskinder” von Fabian Weiß und ein Interview mit der Photoszene-Geschäftsführerin Heide Häusler. Außerdem geht Klaus Honnef in einem Essay der Frage nach, wie sehr Fotografien unsere Wahrnehmung von Realität verändert haben. Viel Vergnügen mit L. Fritz!

Link: L. Fritz #1

"L. Fritz - Das Magazin der Photoszene", No.1, 2014, Cover-Photo: Chargesheimer, „L. Fritz Gruber“, Köln 1955, Museum Ludwig, Fotografische Sammlung, ML/F 1993/150

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Interview mit Markus Hartmann

Die Nachricht, dass Markus Hartmann seinen langjährigen Job als Programmleiter beim re­nom­mierten Hatje Cantz Verlag hinwerfen will, kam im Sommer vergangenen Jahres für viele vollkommen überraschend und ging wie ein Lauffeuer durch die Fotobuchbranche. Umso schöner, dass mir das Freelens Magazin die Möglichkeit gab, ein ausführliches Abschluss-Interview mit Markus Hartmann zu führen, in dem ich mit ihm via Skype über seinen Abschied, gute und schlechte Fotobücher, Marketingstrategien und die Zukunft der gesamten Branche sprechen konnte. Das komplette Interview bekommt ihr hier als PDF.

Gleichzeitig möchte ich allen Fotobuch-Liebhabern das gesamte Ausgabe 34 des Freelens Magazins ans Herz legen: Es ist richtig gut geworden! Chefredakteur Peter Lindhorst und Herausgeber Lutz Fischmann haben eine hervorragende Auswahl an Themen und Autoren gefunden – unter anderem hat Sophia Greiff mit dem Verlagsvertreter Kurt Salchli gesprochen, Klaus Honnef hat sich Gedanken über das Medium Fotografie und die Darstellungsformen in Ausstellungen und in Büchern gemacht, Hans-Michael Koetzle hat das Paradoxon des Fotobuch-Booms unter die Lupe genommen und Michael Klein nennt gelungene Beispiele von Fotobüchern, die im Eigenverlag erschienen sind.

Das Freelens Magazin kostet 5 Euro und kann entweder über Freelens direkt oder aber über einige wenige Verkaufsstellen (siehe Foto) bezogen werden.

Links: Freelens, Hatje Cantz

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“SeitenAnsichten” in Leipzig

Es ist auffällig, dass in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche neue Magazine auf dem Markt erschienen sind, die sich mit dem Thema Fotografie auseinandersetzen. Und damit meine ich nicht die klassischen Kioskzeitschriften, in denen lediglich die aktuellen Kameras und Objektive und Stative vorgestellt werden, die für einen an der Fotografie selbst interessierten Leser jedoch nur wenig Neues zu bieten haben. Ich meine die unabhängige Magazine, die Portfolios von künstlerisch arbeitenden Fotografen präsentieren, die theoretische Texte abdrucken und selbst vielleicht sogar kleine Kunstwerke oder einfach nur dünnere Fotobücher sind.

Das Zentrum für zeitgenössische Fotografie in Leipzig, das auch das f/stop-Fotofestival veranstaltet, hat aus diesem Anlass im Oktober zu einem eintägigen Symposium mit dem Titel “SeitenAnsichten” mit Kunstwissenschaftlern wie Regine Ehleiter, Friedrich Tietjen und Susanne Holschbach und internationalen Herausgebern von unabhängigen Fotomagazinen wie Ahorn, Gup, 1000 Words, Die Böhm und Foam eingeladen.

Meinen Artikel, erschienen in der Photonews, gibt es hier.

Link: SeitenAnsichten

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Streulicht

Nach Album möchte ich noch ein zweites, junges Magazin vorstellen: Streulicht – Magazin für Fotografie und Artverwandtes lautet der vollständige Titel. Im Gegensatz zu Album, das ja als übergroße Tageszeitung daherkommt, sieht Streulicht fast schon wie ein gebundenes Buch aus. Ein Buch, mit einem kreisrunden Loch in der Mitte, durch das man auf die dahinterliegende Seite schauen kann/soll/muss. Das gefällt mir sehr gut, ist es doch ein konsequentes Spiel sowohl mit den technischen als auch mit den gestalterischen Möglichkeiten des Mediums Fotografie.

Herausgegeben wird Streulicht von Amelie Zadeh und Roland Fischer-Briand aus Wien, die Artdirektion hat Mario Kiesenhofer übernommen. Zwei monothematische Ausgaben (1. Performance, 2. Order/Disorder) sind bislang erschienen, und während man sich bei Album aussuchen kann, ob man lieber die deutsche oder die englische Ausgabe hat, ist Streulicht komplett bilingual. Inhaltlich versteht sich Streulicht selbst als “Ausstellungsformat, um sich innerhalb fotografischer Bildpraxis zu artikulieren. Durch die Verschaltung von Theorie und Praxis verstehen wir Fotografie als Kulturtechnik. Diese dialogische Form (Theorie / Praxis 1:2) bildet den Raster, durch den Bildwelten abgetastet werden, ohne sie zu zersetzen und festzuschreiben. Demnach halten wir die Grenze zwischen Text- und Bildbeiträgen permeabel – sie soll einen individuellen Zugang der Beitragenden ermöglichen, Gedanken auch in Bildern zu formulieren und vice versa.”

Leider lesen sich manche Texte in Streulicht genauso hölzern-akademisch wie diese Selbstdarstellung, was meine Begeisterung für das Magazin ein wenig dämpft – die Beiträge stammen unter anderem von Kulturwissenschaftlern und Kunsthistorikern. Nicht, dass ich etwas gegen Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker hätte, aber meist sind die nicht gerade für eine flotte Schreibe, Praxisbezogenheit und Leidenschaft bekannt. Natürlich gibt es auch andere Texte, vor allem aber gibt es auch sehr gute fotografische Arbeiten zu entdecken. Fotografische Arbeiten, die sich allerdings nicht selten in die Bereiche Konzeptkunst, Performance, Bildhauerei (eben Artverwandtes) ausbreiten. Im Kunstbetrieb würde man dazu wohl “Es sind Künstler, die das Medium Fotografie nutzen” statt einfach “Fotograf” sagen. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.

Link: Streulicht

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Album, Magazin für Fotografie

An dieser Stelle möchte ich einmal eine Zeitschrift vorstellen: Album, Magazin für Fotografie. Es wurde zwar bereits 2010 gegründet, ich habe es aber erst kürzlich entdeckt und bin insgesamt sehr begeistert von der im Nordischen Format daherkommenden Publikation. Für die, die nicht wissen, was das bedeutet: Aufgeschlagen misst Album satte 80 mal 57 Zentimeter. Damit ist das von Victor Balko, Oliver Dignal, Stefan Stark und der Hochschule für Gestaltung Offenbach herausgegebene Magazin äußert unhandlich. Das kann schon bei Zeitungen wie der Süddeutschen oder der Zeit etwas lästig sein, aber bei Album sorgt es für einen gewissen Stresslevel beim Lesen – zumindest bei Leuten wie mir, die vermeiden wollen, dass das gute Stück Knicke und Eselsohren bekommt, denn die drei bislang erschienenen Ausgaben, die jeweils einem Themenschwerpunkt gewidmet sind, machen wirklich was her.

In der Regel wird auf jeder Doppelseite ein fotografisches Projekt vorgestellt, das meist von einem sehr guten Text erklärt oder ergänzt wird. Die bisherigen Hefte hießen “Introducing”, “Same/Same” und “The White Album” und beschäftigten sich mit Themen, die das Medium Fotografie an sich hinterfragen, auf die Probe stellen und – um eine blöde Kritikerfloskel zu nutzen – ausloten. Während in der ersten Ausgabe noch viel ausprobiert und experimentiert wurde (was nicht heißt, dass es dort nicht trotzdem einen roten Faden gibt), waren die beiden nachfolgenden Hefte bereits monothematisch angelegt: In Heft 2 geht es um “die Möglichkeit des einzigartigen Bildes” und in Heft 3 um “Unsichtbarkeit in der Fotografie”.

Die Macher selbst beschreiben Album als “ein Spiegel, ein Sprungbrett, eine Spielfläche: ein Magazin für Fotografie. Eines, das sich der Fotografie ganz grundsätzlich verschrieben hat und den vielgestaltigen Aspekten, die sie ausmachen: Die Fotografie als Thema in Bild und Text im Sinne einer sprachlichen Auseinandersetzung. Oder, allgemein gesprochen, die Fotografie wie man sie wahrnimmt und wie wir sie ernst nehmen.” Und das machen sie so konsequent und harmonisch, dass das Ergebnis fast wie der Katalog zu einer Ausstellung wirkt, in der über Fotografie und die unterschiedlichsten Phänomene, die sich aus dem Medium ergeben, nachgedacht wird.

Dass das hier so besonders gut funktioniert und viele Themen vorkommen und angesprochen werden, mit denen ich mich selbst schon beschäftigt habe, könnte daran liegen, dass Album von Fotografen und nicht von Kunsthistorikern oder anderen Theoretikern gemacht wird. Der Ansatz der Album-Redaktion ist sehr praxisbezogen, zeugt aber zugleich von einer intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Medium – eine Auseinandersetzung, die ich bei Menschen, die selbst nicht fotografieren, nur sehr selten entdecke. Bei ihnen finde ich meist eine tiefe Sprachlosigkeit, die mittels kunsthistorischer Krücken überwunden werden muss. Das jedoch geht häufig genug schief, weil die Fotografie sich anderen Problemen ausgesetzt sieht als beispielsweise die Malerei oder weil Nicht-Fotografen fotografische Vorgehensweisen (technisch, gestalterisch und konzeptionell) nicht gut genug kennen und Manipulationen hilflos ausgeliefert sind. Ich will an dieser Stelle nur das Beispiel des renommierten Kunsthistorikers nennen, der sich in der “Lebensmittel”-Ausstellung von Michael Schmidt wunderte, dass dessen Fleischwurst nicht so lecker aussah wie in den Werbeprospekten des Supermarkts – schließlich sei es aber doch die gleiche Wurst, wie er ratlos feststelle.

Es wäre schön, wenn Album hier Abhilfe schaffen könnte.

Link: Album

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