Neue Website online!

Nach monatelangem “Vor-mir-Herschiebens” und gut einem Monat Arbeit ist heute endlich meine neue Fotografen-Website online gegangen. Darauf zeige ich nun nicht mehr nur meine freie Arbeiten, sondern vor allem auch Auftragsfotografien, meist aus den Bereichen Porträt und Architektur, aber auch Editorial und Commercial.

Im Gegensatz zu den meisten Webauftritten von Fotografen habe ich mich allerdings dagegen entschieden, bloß ein Best-of aus einzelnen Bereichen zu präsentieren, und zeige stattdessen die einzelnen Aufträge, womit die Website auch eher einen Blog-Character erhält, auf der neue Aufträge einfach und übersichtlich hinzugefügt werden können.

Die neue Seite wird mittelfristig auch zu Veränderungen auf diesem Blog führen. Ursprünglich hatte ich ja geplant, hier neben den Besprechungen von Fotobüchern und Fotoausstellungen auch eigene Fotoaufträge zu posten, aber das wurde mit der Zeit immer weniger und ich schätze mal, dass die meisten Leser ohnehin mehr an den Kunstbesprechungen interessiert sind als an meinen Auftragsarbeiten. Die beiden Rubriken “freie Arbeiten” und “Auftragsfotografie” werde ich deshalb entfernen und eventuell durch andere, passendere Kategorien für meine Texte ersetzen. Falls jemand Ideen hat: Ich freue mich über Vorschläge.

Parallel denke ich darüber nach, dem Blog ein ganz neues Erscheinungsbild zu verpassen und es insgesamt eher “magaziniger” aussehen zu lassen. Noch hält mich allerdings die Angst, meine bisherigen 300 Einträge nicht einfach übernehmen zu können, davon ab.

Link: damianzimmermann.de

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Journalistenhonorare

Ich versteh’s nicht. Fragt mich eine renommierte deutsche Fotozeitschrift (laut Eigenaussage “Deutschlands führendes Medium für professionelle Fotografen und alle, die es werden wollen”), ob ich einen Kommentar zu den nun vorliegenden, einheitlichen Vergütungsregeln für Bildbeiträge in Tageszeitungen verfassen könne. Drei Fragen haben sie vorgegeben, 2000 Zeichen soll der Beitrag lang sein und ein Foto möchten sie auch von mir haben. Honorarhöhe? Null Euro.

Auf Nachfrage sagen sie, da es sich um einen “Meinungsbeitrag handelt, bezahlen wir dafür nichts. Wäre ja komisch, wenn wir den Vertreter des Deutschen Journalistenverbandes oder verdi bezahlen.” Ich antworte, dass ich es gar nicht komisch finde, wenn ich für Arbeit bezahlt werde, aber das versteht man offensichtlich nicht. Deren Antwort: “Hierbei handelt es sich NICHT um einen Artikel, also NICHT um redaktionelle Arbeit. Redaktionelle Arbeit und Portfolios bezahlen wir selbstverständlich je nach Leistungsaufwand. Die Umfrage ist wie der Titel vermuten lässt eine Meinungsäußerung, die Fachleute (und hin und wieder Fotografen) beantworten.” Eine Umfrage und die Meinung eines Fachmannes ist kein redaktioneller Beitrag? Wie soll man das denn sonst nennen? Werbung?

Stattdessen spielen sie auch noch den Aufwand herunter. “Die Beantwortung der Fragen im Umfang von 2000 Zeichen erfordert einen Arbeitsaufwand von 10 bis 15 Minuten.” Woher wollen die wissen, wie lange ich fürs Verfassen eines qualifizierten Artikels brauche? Ich habe ihnen stattdessen angeboten, dass sie mich gerne interviewen können zu dem Thema – das mache ich gerne kostenlos. Aber ich schreibe denen keinen Artikel für lau. Eine Antwort habe ich nicht erhalten.

Mann, kotzt mich so etwas an. Die wollen, dass ich mich über die niedrigen Honorare bei Pressefotografen aufrege, zahlen mir aber selbst keinen Cent dafür.

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“The Mother Road” von Hans Gremmen

Katja Stuke hat mich beim Düsseldorfer Book Salon auf Hans Gremmen und sein Projekt “The Mother Road” gebracht. Das sei die beste Arbeit, die bislang mit Google Street View-Bildern gemacht wurde, meinte sie. Ob es tatsächlich die Beste ist, weiß ich nicht, aber ich finde sie ebenfalls großartig, weil sie extrem konsequent weitergedacht ist. Und weil sie nicht auf das Außergewöhnliche in den Bildern setzt wie beispielsweise Michael Wolf oder Jon Rafman oder auf das Alltägliche wie bei Doug Rickard, die dafür tage-, wochen- und monatelang das Internet durchstöbert haben.

Hans Gremmen hat auch viel Zeit mit Google Street View verbracht. Vielleicht sogar mehr Zeit als die drei Obengenannten zusammen. Aber er war nicht auf der Suche – er hatte die Bilder bereits gefunden und musste sie nur noch abfotografieren beziehungsweise … ja, wie heißt das überhaupt? “Screenshotten”? Denn der Niederländer ist die komplette Route 66 virtuell “nachgefahren” – Stück für Stück, Bild für Bild, Mausklick für Mausklick. Vier Monate lang jeden Abend für ein paar Stunden. 151.000 Mal hat er dabei den Bildschirm kopiert, die Bilder aneinander gereiht und zu einer Art Stop-Motion-Film verarbeitet. Was für eine Fleißarbeit! Vor allem aber hat Gremmen das “Prinzip Street View” ins Gegenteil verkehrt: Aus Fotos, die beim Fahren entstanden sind, macht er eine Fahrt, die aus Fotos entsteht.

Dabei passiert etwas spannendes: Die wohl emotional und mythisch aufgeladenste Straßenverbindung in den USA wirkt in diesem virtuellen Roadmovie vollkommen trivial und beinahe ermüdent trist. Der Zauber von Freiheit und Pioniergeist, der der Route 66 bis heute innewohnt, ist längst verflogen und wird bei Gremmen zusätzlich entzaubert, indem man die Reise auf der auch als “Mother Road” oder “America’s Mainstreet” bezeichneten Strecke nun bequem vom Wohnzimmersessel aus machen kann – und die virtuelle Kompassnadel in der oberen Bildecke tanzt dazu. Die Freiheit besteht im Jahr 2013 also nicht darin, als einsamer Wolf auf einem Motorrad quer durch die USA zu reisen, sondern sich im Internet alle Informationen zu beschaffen, die einem zur Verfügung gestellt werden. Aber auch das kann ein sehr einsames Unterfangen sein.

Ob man sich “The Mother Road” tatsächlich komplett anschaut, ist bei einer Filmlänge von über fünf Stunden fraglich. Aber man könnte es, denn Gremmen hat den Film auf zwei DVDs gebannt. Weil es zudem noch ein zwölfseitiges Booklet gibt, gilt das fertige Produkt übrigens als Buch und nicht als DVD, was den ermäßigten Steuersatz zur Folge hat. Aber auch mit dem vollen Satz wäre “The Mother Road” noch erschwinglich – die beiden DVDs sind in einer 1000er Auflage erschienen und kosten gerade einmal 12 Euro.

Link: Hans Gremmen

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Podiumsdiskussion “Fotografische Positionen”

Im Rahmen der Andreas Gursky-Retrospektive fand im Düsseldorfer Museum Kunstpalast die Podiumsdiskussion “Fotografische Positionen” statt. Mit dabei waren Hilla Becher, Michael Schmidt, Moritz Wegwerth, Annette Kelm, Beat Wismer und Andreas Gursky selbst. Moderiert wurde die Veranstaltung, zu der mehr als 800 Besucher kamen, von Thomas Weski.

Es wurde dabei viel über das Verhältnis der Fotografie zur Malerei gesprochen, es gab den ein oder anderen interessanten Einblick und das ein oder andere “Geständnis” der Beteiligten und Michael Schmidt regte sich am Ende sogar darüber auf, dass Kunsthistoriker die Fotografie bis heute nicht wirklich als selbstständige Position wahrnehmen und immer mit der Malerei vergleichen würden. Bei Gursky und (den Kunsthistorikern) Weski und Wismer erntete er damit wenig Verständnis, Hilla Becher gab ihm hingegen Recht, brach aber auch eine Lanze für sie: “Sie haben es einfach nicht anders gelernt: Es fehlt ihnen an einem eigenen Vokabular für die Fotografie.“

Mein ausführlicher Artikel dazu ist nun in der Photonews erschienen.

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Fanpost im Photonews-Blogbuch

Peter Lindhorst hat mich vor ein paar Tagen nach meinem aktuellen Lieblingsfotobuch gefragt. Lange überlegen musste ich nicht: Es ist “Sea Change” von Michael Marten.

Warum mich das Buch so begeistert (obwohl es auch deutliche Schwächen hat) erfahrt ihr in meinem Fanpost im Photonews-Blogbuch.

Link: Kehrer

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Time to say goodbye, fotocommunity!

Ich habe es getan. Heute Mittag habe ich meinen Account bei der fotocommunity gelöscht. Besser gesagt: Ich habe ihn löschen lassen, denn alleine kann man das natürlich nicht machen. Da gibt es keinen Knopf für.

Kein großes Ding, sollte man meinen. Und dennoch war es für mich nicht leicht – schließlich hat (wenn man es pathetisch ausdrücken will) mit der Mitgliedschaft in der fc alles angefangen. Das war Ende 2002, ich kam von meiner Kambodscha-Reise und mit 30 vollgeknipsten Filmen zurück und habe plötzlich kapiert, dass mir die Fotografie mehr gibt als das literarische Schreiben, das ich bis dahin versucht habe und mit dem ich kläglich gescheitert bin.

Neben Besuchen in der Fotoschule-Koeln wurde der virtuelle Aufenthalt in der fotocommunity zu einem festen Bestandteil meines Alltags. Der Austausch mit Gleichgesinnten war eine unglaubliche Bereicherung, und ich habe so viele unterschiedliche, inspirierende Arbeiten gesehen, dass ich täglich stundenlang durch die Bildergalerien der damals jungen und noch überschaubauren Plattform klicken konnte – und das zu einer Zeit, als DSL-Anschlüsse noch eine Seltenheit waren!

Wirklich gelernt habe ich in der fc allerdings nicht das Fotografieren, sondern das Auseinandersetzen mit und das Diskutieren über Fotografie: Im Gegensatz zum allgegenwärtigen Facebook, in dem es nur einen “Gefällt mir”-Button gibt und die Mitglieder ansonsten auch meistens nur lobend kommentieren, ging es in der fotocommunity nicht selten ordentlich zur Sache. Das fand nicht jeder gut, und sicherlich habe ich auch das ein oder andere Mal etwas über die Stränge geschlagen mit meiner Kritik – vor allem bei den Blümchen- und Eichhörnchenfotografen: Ich habe sie nicht verstanden und sie mich nicht. Der legendäre “Ignore”-Button wurde jedenfalls häufig gegen mich eingesetzt.

Auch die Auseinandersetzung mit fc-Göttern wie Stefan Rohner, die ihre Jünger um sich scharten, die sofort angerannt kamen und die Zähne fletschten, wenn ich Kritik an seinen Fotos äußerte, bleiben mir in (trauriger) Erinnerung. Absurder Höhepunkt war allerdings die Diskussion mit einem in der fc sehr beliebten Naturfotografen, der mir nach einigem Hin und Her tatsächlich sinngemäß schrieb: “Du bist ein Nikon-Fotograf, ich bin ein Nikon-Fotograf. Wir sollten hier doch zusammenhalten und uns nicht gegenseitig kritisieren.” Diese Art der Banden-Bildung ist für mich bis heute vollkommen unverständlich, vor allem aber auch unerträglich und hat mir die fc leider vergrätzt.

Das gilt natürlich nicht für die Fotografie an sich. Und ohne es zu wissen habe ich damals wohl den Grundstein für meine spätere berufliche Entwicklung gelegt: Heute schreibe ich über Fotografie.

Immerhin dafür warst du gut, und dafür danke ich dir, geliebte und gehasste fotocommunity. Nach über zehn Jahren Mitgliedschaft ist es jetzt aber wirklich an der Zeit, “Auf Wiedersehen” zu sagen. Mach’s gut, fc!

Link: fotocommunity

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Zum Tod von Shômei Tômatsu

Erst gestern wurde bekannt, dass Shômei Tômatsu, der als einer der einflussreichsten Fotografen Japans gilt, bereits am 14. Dezember in einem Krankenhaus in Naha, Okinawa, an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben ist.

Im Kölner Stadt-Anzeiger ist ein kurzer Nachruf von mir zusammen mit einem seiner bekanntesten Fotografien von den Studenten-Demonstrationen in Tokyo 1969 erschienen.

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“Ninetynine Years Leica”

In diesem Jahr feiert die Leica-Kleinbildkamera ihren 100. Geburtstag. Doch bereits Ende 2012 ist ein Buch erschienen, das die Firmengeschichte des legendären Kameraherstellers aus Wetzlar in den Mittelpunkt stellt – getreu dem Motto: Auf ein Jubiläum warten kann jeder. Deshalb heißt das Buch auch schlicht “Ninetynine Years Leica”. Veröffentlicht wurde es im Verlag 99 Pages, versammelt 700 Fotos und Illustrationen auf 286 Seiten und kommt im schwarzen Schuber daher. Das sieht sehr schick aus, hat aber (typisch Leica) auch einen entsprechend stolzen Preis: 99 Euro kostet das Buch.

Dafür bekommt man eine Art Nachschlagewerk, das jedoch weder reine Unternehmensgeschichte noch Bildband ist und das keine technischen Beschreibungen, Zahlen oder Gebrauchsanweisungen liefert. “Ninetynine Years Leica” ist verspielt, edel und stilvoll. Oder, wie es im Vorwort heißt: “Normal ist anders. Aber Leica ist nicht normal. Und daher ist auch dieses Buch völlig anders als erwartet.” Gut, man kann sich fragen, ob diese drei Sätze inhaltlich so viel Sinn ergeben, aber das Buch will offensichtlich auch viel mehr das Herz als den Kopf des Lesers ansprechen.

Das macht es allerdings ganz gut – wenn man mal vom unglaublich schlechten Vorsatzpapier absieht, auf dem die Mitarbeiter in winzigen Porträts gezeigt werden. Ich verstehe nicht, wie ein so wichtiges Unternehmen aus der Fotoindustrie seine Mitarbeiter so furchtbar provinziell präsentieren kann.

Ansonsten kommt das Buch wie eine riesige Broschüre daher, die informieren, aber niemals überfordern will. Große Fotos, Illustrationen und grafische Spielereien lockern die meist kurzen, aber durchaus interessanten Texte von Rainer Schillings auf – er schlendert durch die Fotografiegeschichte, setzt den Krimkrieg 1855 als Beginn des Fotojournalismus, porträtiert Leica-Fotografen wie Henri Cartier-Bresson und Ilse Bing, nutzt Robert Capas “Falling Soldier” für eine kurze Reflexion über den Wahrheitsgehalt von Fotografie und ihren Missbrauch zur Propaganda und wirft vor allem Schlaglichter auf Höhepunkte und Wegmarken der Firmengeschichte. Und das kann auch mal sehr kritisch sein – beispielsweise bei den hochnäsigen Fehlentscheidungen, die sich Leica beim Autofokus geleistet hat. Ein Verantwortlicher soll jedenfalls in den 1970ern gesagt haben “Unsere Kunden können fokussieren”, womit Leica den Anschluss an den Markt vollends verpasste und nur noch als Kamera für die Elite angesehen wurde.

Leider wiederholte sich diese Arroganz 2004 bei der Frage nach der Zukunft der Digitalfotografie. Der damalige Leica-Chef Hanns-Peter Cohn (im Buch wird er zitiert, aber nicht namentlich genannt!) sagte im Spiegel-Interview: “Die Digitaltechnik ist nur ein Intermezzo. In spätestens 20 Jahren werden wir sicher mit anderen Technologien als heute fotografieren. Aber den Film wird es dann immer noch geben.” Dass Leica trotz dieser Kurzsichtigkeit noch heute exisitert und es der Firma offensichtlich wieder gut geht (der Messeauftritt auf der vergangenen Photokina war jedenfalls beeindruckend), sei laut Schillings “kaum mehr als einer glücklichen Fügung und einem unerwarteten Trend zu verdanken: Die Rettung gelang, weil ein potenter Investor im letzten Moment das Ruder herumriss und der Markt vor allem nur eines wollte: Vorsprung durch Technik. Und durch Qualität. Leica nutzte die Chance, Leica is back!”

Das klingt am Ende leider doch etwas dick aufgetragen. Aber vielleicht gehört das zur Marke Leica auch einfach dazu.

Link: 99pages

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Das Buch “Gestalten mit Licht und Schatten”

An dieser Stelle möchte ich das vor wenigen Wochen erschienene Lehrbuch “Gestalten mit Licht und Schatten – Vom Porträt bis zur Landschaft” von Oliver Rausch vorstellen. Rausch hat Fotografie an der “Royal Academie” in Den Haag und an der “Rijksakademie” in Amsterdam studiert und ist Mitgründer der Fotoschule-Koeln und der Fotoakademie-Koeln. Mit seinem Wissen und seiner Leidenschaft hat er wesentlich zu meiner Begeisterung und mein Verständnis für die Fotografie beigetragen.

Im Pearson Verlag ist nun sein erstes Buch erschienen (336 Seiten, 39,95 Euro), in dem er sich, wie der Name bereits sagt, mit den Möglichkeiten der Bildgestaltung beschäftigt, die einem die Lichtsetzung bietet. Natürlich ist es deshalb (auch) ein technisches Buch, doch vor allem will Rausch, dass seine Leser ihre Wahrnehmung schulen, damit sie “die einzelnen Wirkungen von Licht im Bild spürbar und damit gestalterisch nutzbar” machen können: “Mein Ziel ist es, Ihnen ein Grundverständnis für Licht und seine Wirkungsgewalt in Bildern zu vermitteln, mit dem Sie das Licht anderer Fotografen selbst analysieren und verstehen können, um es für sich selbst zu nutzen und auch nach eigenen Wünschen und Ideen frei abzuwandeln.”

Natürlich liefert Oliver Rausch zunächst einmal Erklärungen für die drei Hauptlichtarten Seitenlicht, Rembrandtlicht und hochfrontales Licht und erklärt deren Aufbau und Wirkung sehr detailiert. Aber auch das Gegenlicht sowie die “unnatürlichen” Lichtarten wie Unterlicht, Zangenbeleuchtung und der Ringblitz kommen in langen und sehr ausführlichen Kapiteln vor.

Genauso wichtig wie die Detailtiefe der technisch-gestalterischen Erklärungen sind für mich persönlich jedoch die zahlreichen kunstgeschichtlichen und popkulturellen Verweise – unter anderem verwendet Rausch Fotos von seinen Studenten, um Wirkungen aufzuzeigen, er baut aber auch immer wieder “Exkurse” ein, in denen er mit QR-Codes auf weitere Bilder und Videos wie beispielsweise die Edgar-Wallace-Filme und Stanley Kubricks “Shining” verweist. Dies ist insofern wichtig, da ich immer wieder bemerke, dass gerade in der Rezension und der Reflexion künstlerischer Fotografie meist auf die Bildmotive, aber viel zu selten auf die Bildgestaltung eingegangen wird. Bestenfalls wird der gestalterische Aufbau einer Fotografie mit der Malerei verglichen, aber in den seltensten Fällen werden die Gestaltung und ihre Wirkung analysiert.

Am dramatischsten ist mir dies während der Pressekonferenz zur “Lebensmittel”-Ausstellung von Michael Schmidt im Museum Morsbroich aufgefallen. Dort waren zwei von mir ansonsten sehr geschätzte Journalisten-Kollegen (beides Kunsthistoriker) vollkommen erstaunt darüber, dass die Mortadella bei Michael Schmidt so abschreckend aussieht, während sie im Werbeprospekt vom Edeka immer so lecker wirke – schließlich sei es doch die gleiche Wurst. Das die Aussage einer Fotografie nicht zwangsläufig vom Motiv, sondern von der Gestaltung (und somit auch vom Licht) abhängt, war für sie offensichtlich vollkommen neu. Insofern kann ich “Gestalten mit Licht und Schatten” nicht nur angehenden Fotografen, sondern grundsätzlich allen Menschen empfehlen, die sich regelmäßig mit Fotografien auseinandersetzen wollen und müssen, um diese besser verstehen und hinterfragen zu können. Und letztlich auch, um vor Manipulationen gewappnet zu sein.

Link: Pearson, Fotoschule-Koeln

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“Tagesform” von Peter Litvai

Bei meinem Besuch in Landshut vor einem Monat habe ich auch den dortigen Fotografen Peter Litvai in seiner Studio-Galerie besucht. Dabei ist mir seine Serie “Tagesform” aus dem Jahr 2010 ganz besonders in Erinnerung geblieben.

Ausgegangen ist er von der (nicht ganz neuen) Idee, verschiedene Menschen einer mehr oder weniger losen Gruppe zu porträtieren und diese Fotografien gleichberechtigt übereinander zu belichten, so dass am Ende ein einziges (Durchschnitts)gesicht entsteht. Solche Bilder kenne ich bereits von Ken Kitano und Michael Wesely und auch Thomas Ruff hat mit seinen “Anderen Porträts”, für die er in Phantombild-Manier Gesichter zusammenstellte, einen ganz ähnlichen Ansatz gehabt.

Was mich nun beeindruckt, ist die Art und Weise, wie Litvai diese Technik und den gedanklichen Ansatz weitergedacht hat: Statt 20 oder gar 50 unterschiedliche Gesichter zu montieren, hat er Personen jeweils einen Tag lang begleitet und sie jede halbe Stunde fotografiert. Aus den dabei entstandenen 24 Aufnahmen hat er dann ein Durchschnittsgesicht einer einzigen Person gemacht: Die Augen befinden sich als Fixpunkte immer an den gleichen Stellen, aber deswegen müssen nicht zwangsläufig auch Nase, Mund und Ohren, Haare, Falten und Kinn immer an den selben Positionen sitzen. Natürlich ist es nicht wirklich erstaunlich, das Aufnahmewinkel, Licht, Tageszeit, Müdigkeit, Vertrautheit, Stress und all diese Faktoren ein Gesicht verändern (man muss sich nur die zahlreichen Serien von Amateurfotografen im Internet anschauen, die sich täglich selbst fotografieren) – es wurde nur selten so konsequent und außergewöhnlich dargestellt.

Die Personen erhalten in Litvais Aufnahmen eine nebulöse Aura, die jedem gewöhnlichen Porträt die Daseinsberechtigung nimmt. Das kann man, denke ich, im direkten Vergleich unten sehen: In der Thumbnail-Ansicht wirken die Porträts noch recht “normal”. Das Absurde: Macht man sie größer, geht man also quasi näher an die Person heran, wird diese immer undeutlicher und verschwommener. Das ist nicht immer schmeichelhaft für die Porträtierten – aber darum geht es hier auch nicht. Bezogen auf die Fotografie im Allgemeinen kann man sagen: Allen immer wiederkehrenden Behauptungen zum Trotz kann kein Porträt das vielschichtige Wesen eines Menschen auch nur annähernd festhalten. Im besten Fall hält der Fotograf nur seine Sicht der Dinge (in dem Fall: seine Sicht auf die Person) fest. Die Serie “Tagesform” zeigt, dass selbst dies umgangen werden kann.

Etwas irritierend können übrigens die Strukturen und nicht weiter zu definierende Objekte in einigen Porträts sein. Die kommen daher, weil Litvai zusätzlich auch das ein oder andere Foto aus der Umgebung des Porträtierten aufnimmt und in das Bild mit einbaut. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll: Auf der einen Seite “verwässert” es das Konzept ein wenig, auf der anderen Seite finde ich, geben sie den Bildern eine weitere (dezente) Ebene, die nicht interpretiert werden braucht, weil sie dafür zu abstrakt ist.

Link: Peter Litvai

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